Katja Kipping über ökologische Gerechtigkeit

In Vorbereitung der Konferenz zum sozial-ökologischen Umbau am 27. und 28. Januar 2017 in Essen (Zeche Zollverein) erläutert die Parteivorsitzende der LINKEN, warum ökologische und soziale Gerechtigkeit zusammen gehören.

 

2 thoughts on “Katja Kipping über ökologische Gerechtigkeit

  1. Katja! ich finde dich ausgesprochen sypatisch, aber
    Klimagerechtigkeit eine Frage der globalen Gerechtigkeit
    die Antwort kann nicht die nach einer besseren Verteilung sein, denn damit wird man der Problematik Kapitalismus und Klimawandel nicht gerecht. Und die Idee das es reiche Gewinner gibt zeigt nur das die Dramtik des Klimawandels überhaupt nicht verstanden ist.
    Klaus Antwort: Mir ist bewusst das ich hier nur sehr reduktionistisch antworten kann.
    Um die Dringlichkeit des notwendigen Wandels zu unterstreichen, sollte man sich von der Illusion der Anpassung an die sich verändernden Klimaverhältnisse auf diesem Globus verabschieden. Werden besagte Kipppunkte *überschritten ist es egal was die Menschheit dann noch tut. Es entsteht eine Eigendynamik der wir nichts mehr entgegensetzen können. Wir gehen dann einer Heißzeit entgegen, einer Welt die es seit Millionen von Jahren so nicht mehr gab. Dem vom Menschen verursachten Massensterben von Fauna und Flora wird auch die überwiegende Mehrheit der Menschen erliegen. Vielleicht werden ein paar hunderttausend Menschen überleben, aber sie werden in einer Welt leben müssen die über Jahrtausende eine völlig andere sein wird, als diejenige die uns jetzt vertraut ist. Unser hochtechnisierte Zivilisation wird jedenfalls dann Geschichte sein. Vielleicht ist das auch besser so, da wir uns der Selbstzuschreibung „Vernunft begabt“, unwürdig erwiesen haben.
    Tatsache ist, die Klimaerwärmung beschleunigt sich und es ist im Mittel global schon 1,2 Grad Wärmer als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist schon 5 nach 12. Der jetzige politische Zeitplan zur Decarbonisierung der Wirtschaft kommt 20 Jahre zu spät. Selbst wenn wir morgen kein CO2 mehr emittieren, wird die Erwärmung zum Ende des Jahrhunderts die 2Grad plus Marke reißen. Alles andere an Prognosen ist Schönfärberei.
    Ein Weiter so ist der pure Wahnsinn.
    * ein Kipppunkt ist die eisfreie Arktis im Sommer.
    Die Zentrale Frage ist die nach der Klimagerechtigkeit, und nicht die nach dem „genug für alle“. Denn damit wird der Fokus auf die materielle Ebene gelegt. Das eigentliche Problem der Menschheit ist aber ein psychosoziales.
    Grundsätzlich ist festzustellen. Wir Menschen haben nur diesen einen Planeten und seine Ressourcen sind endlich.
    Die Aufteilung der Welt in Nationalstaaten war eine historische Entwicklung die von einem Welt und Menschenbild ausging ,dass so von den modernen Natur und Sozialwissenschaften nicht mehr geteilt wird.
    Die Aufteilung der Menschheit in Rassen und Nationalitäten geht auf menschliche Bedürfnisse der Identität, der Selbstverortung und Selbstbeschreibung zurück, ohne die Menschen die Frage nach dem „Wer bin Ich“ anscheinend nicht beantworten können. Identität ist immer ein soziales Konstrukt. Tatsache und genetisch bewiesen ist, dass es nur eine menschliche Rasse gibt und wir alle nur von einer kleinen Gruppe von Humanoiden abstammen. Wir sind eine große Familie
    In einer Zeit der gesellschaftlichen Entwicklung in der die Handlungen einzelner menschlicher Gruppen globale Auswirkungen haben können ist ein verkürztes regionales Denken unangebracht. Wir müssen lernen ganzheitlich zu denken.
    So wie wir nur eine besondere Form von Spezies auf einem kleinen Planeten in einem grenzenlosen Universums sind, so sind wir Deutschen nur eine Gruppe in einem begrenzten zeitlichen Raum die davon abhängig sind, dass die lebenserhaltenden Funktionen der Ökosphäre, die alle Menschen miteinander Teilen, stabil bleiben.
    Die individualististische Nabelschau des bürgerlichen Subjekts, welches meint nur sich selber gegenüber verantwortlich zu sein, ignoriert die kollektiven Abhängigkeiten genau so, wie die Nationalökonomien in der Illusion verharren, für sich existieren zu können.
    Politik kann tatsächlich nicht dem Rest der Welt vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben. Daher braucht es einer Ehtik der Verantwortung die die tatsächlich bestehenden Abhängigkeiten nicht als Freiheitsbegrenzung verleugnet, sondern als Realitätsbejahung anerkennt.
    Ständiges ökonomisches Wachstum auf Kosten anderer verkennt, das es langfristig nur Verlierer geben kann in einer begrenzten Welt.
    Die Ursache des Wachstumszwanges liegt in der Wertlogik des Geldes. Geld selber hat keinen Wert. Seit Bretton Wood 1972 die Goldbindung der Währungen offiziell abgeschafft wurde, kann das Geld im Prinzip grenzenlos wachsen. Geld selber braucht keine realen Gegenwerte mehr. Die Idee das der Geldmenge reale Werte gegenüber stehen ist durch die Abkopplung des Finanzkapitals von der Realwirtschaft lange überholt. Dennoch verhält sich die Finanzpolitik noch so, als gäbe es diese Grenze noch. Den Schulden müssen Gläubiger gegenüberstehen, die für die Rückzahlung der Schulden geradestehen. Wir tun so, als gäbe es hier physikalische Naturgesetze die niemand brechen kann. Dabei sind das alles nur Formen von Vergesellschaftung, Regeln an die sich Menschen halten, weil sie an diese Regeln kollektiv glauben. Ökonomen sind bornierte wie auch immer. Ökonomie ist keine Wissenschaft, es ist eine Form der Religion.
    Wenn man die Ideologie des Wettbewerbs abschaffen würde und jedem Menschen die Würde, die wir ihm idealistisch ja zugestehen als konkrete Rechte individueller Existenz bedingungslos anerkennen würden, wäre dass kein Problem. Wir stellen die Grundversorgung aller Menschen frei. Nur was Menschen im Besonderen zu brauchen meinen, sollen sie als ein mehr an Geld durch Arbeitszeit erwirtschaften. Allgemeiner Wettbewerb wird durch Kooperation der Besten und der Ideen ersetzt. Wenn die Banken als privat wirtschaftende Institutionen abgeschafft würden und nur als Kontrollorgane der Geldflüsse fungieren, dann kann man die Geldmengen entsprechend der Produktivität der Gesamtwirtschaft regulieren. Die Macht der Banken besteht unter anderem in ihrem Recht Geld zu hecken als Schulden und diese zu verwalten. Aber eigentlich ist das Geld nur eine Form der menschlichen Kontrolle, weil die Menschen sich untereinander Misstrauen.
    Unsere Kultur ist eine Misstrauenskultur, sie beruht auf einem negativen Menschenbild.
    Wachsen muß die Wirtschaft um die Schulden bedienen zu können. Und Arbeit brauchen wir, weil wir ohne Geld gesellschaftlich nicht partizipieren können.
    Utopisch? Nein, wir brauchen ideale Modelle, damit wir wissen können wie es besser sein kann.
    Verrückt ist das herrschende Menschenbild des konkurrierenden Homo Ökonomikus. Gestalten wir die Menschenwelt nach dem Prinzip der Inklusion.
    Fangen wir bei den Kindern an.
    Ganztagsschule und kooperatives klassenübergreifendes intrinsisches Lernen aller Kinder bis zur 9 Klasse ohne Wettbewerb und Notengebung. Danach können die Schüler sich spezialisieren nach ihren Interessen und entscheiden, was sie Beruflich machen wollen. Dann kann Beruf wieder Berufung sein und nicht die Frage, wobei erziele ich das meiste Geld. Sondern, was befriedigt mein Bedürfnis nach Gestaltung meines Lebens am besten.
    So wie die Kinder von Anbeginn Verantwortung für sich und ihr Gemeinwesen Schule übernehmen, so tun die Menschen das für ihr soziales Umfeld in dem sie es Selbstverwalten. Das heißt, so wie die Kinder für die Sauberkeit ihrer Schule verantwortlich sind, hält der Bürger seine Stadt sauber.
    Bürokratie gibt es nur noch in übergeordneten Strukturen, wo der einzelne das gesamte nicht überschauen kann. Diese bleibt aber gegenüber der Bürgerschaft weisungsgebunden.
    Beispiele: Die Stadt oder Gemeinde wird Selbstverwaltet organisiert.
    Je mehr gesellschaftlich notwendiges frei ist, um so weniger müssen Menschen dafür bezahlen, um so weniger müssen sie auch fremdbestimmt arbeiten und können sich sozial engagieren.
    Das bürgerliche Ideal ist der sich durch Arbeit selbsterhaltende und selbstbestimmte Mensch der nur sich selbst gegenüber verpflichtet ist. Alle instutionelen Strukturen sind geschaffen um ihm die Illusion der Unabhängigkeit glauben zu lassen. Tatsächlich sind die repräsentative Demokratie und das Geld die Mittel zur strukturellen Verantwortungsverwahrlosung des Individuums gegenüber seiner Mitwelt.
    Die Menschheit glaubt ihre Lebenslügen, das ist das eigentliche Problem das wir lösen müssten, um wirkliche Alternativen entwickeln zu können, jenseits der destruktiven herrschenden Ideologien.
    Zum Beirat des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft) Das ist ein Widerspruch in sich und damit unvereinbar.
    Ökologie ist die Lehre von den sich selbst erhaltenden, aus sich selbst heraus wirkenden, Zusammenhängen der Biosphären von denen der Mensch ein Teil ist.. Hier findet ein ständiger wechselwirkender Stoffwechsel statt, der in seiner Komplexität nur ansatzweise verstanden ist, der zwar Überfluss aber keine Abfälle kennt. Die Ökologie beschreibt die Wirklichkeit.
    Die Ökonomie beschreibt die Realität. Realität ist das Menschengemachte. In der sind wir behaust. Sinn gibt es nur in der menschlichen konstruierten Welt. Die Realität überschreibt die natürliche aus sich selbst heraus bestehende Welt, die Wirklichkeit, die aus sich selbst heraus sich selber erhaltende wirkende Natur. Die Natur ist Sinn und Wert frei. Es ist ihr egal ob etwas ist oder nicht.
    Die Marktwirtschaft beruht auf einem berechnenden Nutzenmaximierungsdenken von Individuen die untereinander konkurrieren und produzieren für anonyme Märkte, auf denen sich Fremde austauschen. Die sozialen Beziehungen sind Geldvermittelt, beliebig, unpersönlich und jederzeit austauschbar. Die Preis der Ware sagt nichts über die Bedingungen seiner Produktion. Konsumenten wollen im allgemeinen auch nichts davon wissen. Sie fragen sich ob die Ware den Preis wert ist, oder sie übervorteilt werden, beziehungsweise, ob es wo anders günstiger ist. Das ist ja der Scharm des Geld vermittelten Warentausches der Märkte, das alles unverbindlich ist.
    Wenn wir eine andere Gesellschaft wollen, dann müssen wir auch über die Begriffe und deren Inhalte diskutieren. Die Denkgewohnheiten des 20. Jahrhunderts taugen nicht zur Lösung der Probleme des 21. Jahrhunderts.
    Anders gesagt. Es ist mit Reformen nicht getan, was wir brauchen ist ein Pardigmenwechsel.
    Ach ja der Begriff Gerechtigkeit, Die Forderung nach Gerechtigkeit lieg eigentlich der Wunsch nach Vertrauen zugrunde, was kaum jemand verstanden hat.
    14.01.17 K-rehberg@gmx.de

    1. Lieber Klaus Rehberg.
      In Vorbereitung auf das Treffen in Essen Zollverein habe ich zufällig Ihren Artikel gelesen.
      Dafür DANK. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, wohne seid zwei Jahren am Edersee Nordhessen, erlebe jetzt jeden Tag die Natur am und im Kellerwald.
      Leider tobt auch hier der gnadenlose Kampf der Bauern um Erträge,ums überleben.
      Öko-Bauern gegen Realo-Bauern, keine Lösung in Sicht, so ist die augenblickliche Situation.Das streben nach Gewinnen ist auch hier am Edersee auf Kosten der Natur Tagesgeschäft.

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